Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:

THEMA: Mythos BIM im Ingenieurbüro

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 11:15 #63945

  • Holtman
  • Holtmans Avatar
  • Offline
Hallo Kollegen,

ich möchte zunächst keinen Hehl daraus machen und transparent für eine offene Diskussion sein. Ich bin Vertriebsingenieur bei Allplan, selber konstruktiver und überzeugter Anwender.
Ich kann mir persönlich nicht mehr vorstellen 2-dimensional zu arbeiten, stelle aber eine gewisse Abneigung oder Desinteresse bei o.g. Thema fest, so dass ich mich mal an der Front erkundigen möchte, warum diese Vorbehalte in vielen Dingen vor der Anwendung der BIM Methode bestehen?

Vorweg zur Info: mir geht es rein um eine offene Diskussion, bei der ALLE durch einen offenen Austausch lernen und sich eine eigene Meinung zum Thema bilden können. Hier wird keiner aufgrund eines Beitrages durch irgendwelche Werbung oder ähnliches malträtiert. (Ist ja quasi eh Anonym)
Ich würde gerne nur verstehen. Dazu ist kritisches, aber auch positives aus eigener Erfahrung gewünscht. Fragen werden ebenfalls gerne beantwortet.
Daher freue ich mich auf eine muntere Diskussion. Grüße
Letzte Änderung: 02 Nov 2018 11:16 von Holtman.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 11:43 #63946

  • DeO
  • DeOs Avatar
  • Offline
Holtman schrieb:
stelle aber eine gewisse Abneigung oder Desinteresse bei o.g. Thema fest, so dass ich mich mal an der Front erkundigen möchte, warum diese Vorbehalte in vielen Dingen vor der Anwendung der BIM Methode bestehen?

Für mittlere und kleinere Bauvorhaben uninteressant und der Mehraufwand ist erheblich. Die Mehrkosten will auch keiner tragen.

Mir sind Ingenieurbüros bekannt, die schon Projekte per BIM abgewickelt haben. "Ja, es geht", war das Urteil. Große Begeisterung kam nicht auf. Das sagt schon alles, denn nur weil etwas grundsätzlich geht, ist es ja nicht gleichermaßen sinnvoll und von vorteilsbehaftet.

Grundätzlich habe ich den Eindruck, dass gewisse Kreise eine neue Idee in der Branche installieren wollen, weil sich daraus neue Umsatzfelder generieren lassen. Gute Ideen setzen sich von alleine durch und müssen nicht künstlich gepusht werden. Entsprechend kann man schlussfolgern, dass alles was massiv gepusht und beworben wird, nicht wirklich gut ist.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 12:01 #63948

  • Jens01
  • Jens01s Avatar
  • Online
Ich hatte vor einiger Zeit dazu mal etwas geschrieben.
Nach meiner Meinung ist BIM hauptsächlich für die baubetriebliche Abwicklung ausgelegt -> Architektur, Terminplanung, Aufmaß (BIM 5D)

Gucken Sie mal in die Spezifikationen von BIM. Die ist riesig. Für die Statikeinbindung gibt es allerdings nur ca. 2 Seiten (mein Stand ist aber schon etwas älter).
Kann eine Konstruktion, die mit Allplan geplant wurde, in fremde Statikprogramme übertragen und dort berechnet werden?
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 12:34 #63949

  • Holtman
  • Holtmans Avatar
  • Offline
Vielen Dank für die Beiträge. Freut mich sehr.

BIM heißt grundsätzlich zunächst nichts anderes, als das man von einer element- bzw. planorientierten Modellierung auf die objekt- bzw. bauteilorientierte Modellierung umsteigt. Ergo vom 2D zu 3D umsteigt. Ich denke schon das es viele IB´s gibt die bereits Teile der BIM-Methode unwissentlich umsetzen, allein schon auf der Tatsache begründet, dass die Projekte 3-dimensional abgewickelt werden.

Hinsichtlich eines angesprochenen Mehraufwandes muss man festhalten, dass z.B. bei kleineren Änderungen eines weit fortgeschrittenen 2D Projektes, quasi händisch, eine Vielzahl an Zeichnungen und Plänen angefasst werden müssen, die gerne mal zur Tagesaufgabe werden und zudem fehleranfällig. Bei einer bauteilorientierten Planung hingegen wissen Bauteile voneinander, einer Änderung zieht sich automatisch durch alle Schnitte, Ansichten, Pläne, Massen etc., so dass Änderungen nicht mehr so kostenintensiv werden, zumal Änderungen pauschal nicht vergütet werden.


Wenn eine Statiksoftware die .ifc Schnittstelle verarbeiten kann, kann man das Gesamtmodell an diese übergeben, ist daher eher eine Frage an die verwendete Statiksoftware, ob diese dann die im Modell definierten Materialien etc. übernehmen kann.
Bei FRILO ist eine Übergabe bedingt möglich, in dem Deckensysteme sofort in das Modul PLT übergeben werden können. Weiter können die Ergebnisse dann auch wieder zu Allplan transferiert werden.

Aber ich mache mich hinsichtlich der Statikprogramme mal tiefergehend schlau.
UPDATE: SCIA Engineer als auch RFEM verfügen über die .ifc Schnittstelle.
Letzte Änderung: 02 Nov 2018 12:56 von Holtman.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 13:09 #63951

  • TWB
  • TWBs Avatar
  • Offline
Hallo zusammen.

Vorab zum Thema 3D konstruieren:

Ich habe in meiner Vergangenheit ziemlich viel Erfahrungen mit der Software
von mb sammeln dürfen. Vicado ist sicher gut. Aber was macht denn das 3D für einen Sinn
wenn ich Schnitte ableite und die dann im Nachgang immer noch umfangreich nachbearbeiten muss.

Ohne Nachbearbeiten sieht es zusammengeshcossen aus. Weiß nicht wie das Allplan macht, vielleicht ähnlich.

Zum Thema BIM:

Vom Grundgedanken soll es ja allen am Bau beteiligten einen möglischst konsistenten, konformen und jederzeit aktuellen Datensatz zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung stellen.

Anfangs dachte ich auch immer, wie toll, alle arbeiten zusammen an einem Proejkt und jeder
macht ordentlich mit und alle haben besseren Durchblick.

Nur ist da eben der Faktor Mensch. Da gibt es die genauen, die schaluen, die faulen und die schlampigen die alles zusammenschießen. Und wie hat Hirschausen mal so schön gesagt: Wenn man in eine Stiege mit Äpfeln einen Fauligen reinlegt wird nicht der Faulige ein schöner wohlschmeckender Apfel, sondern alle schönen Äpfel werden faulig.

Und wenn nun viele Leute an einem Projekt arbeiten kommt es doch drauf an das sich alle Mühe geben, wirklich alle. Und man muss den Leuten auch die Zeit geben sich ordentlich Gedanken zu machen. Das ist aber in der Praxis leider nicht so. Es wird ständig rumgeändert, ständig neue Daten verschickt, teilweise nach kürzester Zeit revidiert. Das setzt die Leute unter unnötigen Druck. Und da braucht es dann ein paar weniger, inkonsequenter Mitarbeiter und schon ist das Ende vorprogrammiert.

Was sollte uns die Computertechnik nicht alles für Vorteile bringen. Was kam dabei raus, immer weniger Leute müssen immer mehr in immer kürzerer Zeit abarbeiten.

Ein ganz anderer Aspekt sind die Anforderungen an die Hardware und die Kosten im Allgemeinen.

Kein Einzelkrauter wird sich BIM Technik zulegen. Kleine, einfache, flotte und überschaubare Programme sind doch da viel besser. In großen Unternehmen wo man ggf. auch noch Leute für die IT hat sieht das ja ganz anders aus.

Und zuguter Letzt bleibt die Blachbox. Ich mag Programme die ich verstehe und einfach bedienen kann. Software soll wie eine gute Werkzeugkiste sein mit vielen einfachen Werkzeugen die auf einfache Weise mehrere Funktionen beherrschen. Und wenn immer weniger Leute immer mehr beherrschen müssen, dann setzt das grundsätzlich auch fachübergreifendes Wissen vorraus.
Ich bin z.B. Statiker. Ich beherrsche 5 oder 6 Statikprogramme und ebensoviele CAD Programme, einfach durch meine Laufbahn bedingt. Was mich aber immer genervt hat war dieses ständige Wechseln und Umdenken weil man eben so viele Projkete parrallel abgearbeitet hat. Kann mir vorstellen das sowas für die Arbeitnehmer immer mehr zur Belastung wird, psychisch und physisch. BIM wird das nicht einfacher machen, da werden sich etliche Leute an den Bauvorhaben die Köpfe zerbrechen wie die Software was und warum macht, statt einfach zu planen. ...Kann nicht das Ziel sein.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
COM_KUNENA_THANKYOU: cebudom

Mythos BIM im Ingenieurbüro 02 Nov 2018 13:30 #63952

  • Jens01
  • Jens01s Avatar
  • Online
...element- bzw. planorientierten Modellierung auf die objekt- bzw. bauteilorientierte Modellierung umsteigt. Ergo vom 2D zu 3D umsteigt.
Da würde ich Dir aber widersprechen wollen. Bei BIM dreht es sich darum, dass alle Baubeteiligten auf ein System, ein Datensatz (Information), zurückgreifen können. Jede BIM-fähige Software muss eine IFC-Datei eindeutig interpretieren können. Und das geht eben bei Statik nicht.

Wenn spezielle Programme IFC-Daten von einer bestimmten Software interpretieren können, liegt das daran, dass man das XML-Format von IFC individuell erweitern kann. Sprich die beiden Softwarehersteller sprechen sich ab, welche Zusatzinformation wie in der IFC-Datei untergeracht werden soll.
Dann können diese beiden Programme über IFC ihre Informationen austauschen. Das hat dann aber nichts mehr mit BIM zu tun.

Das ist ein ganz altes Problem der Softwarehersteller. Es ist nicht unbedingt gewünscht, dass die Kompatibilität zwischen Softwarefirmen zu groß ist.
Ich bin der Meinung, dass ich eine ähnliche Aussage mal vor längerer Zeit von Prof. Prekwinkel (IMOS) gehört habe.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen