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THEMA: Mythos BIM im Ingenieurbüro

Mythos BIM im Ingenieurbüro 03 Nov 2018 11:30 #63969

  • statiker99
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prostab schrieb:
Als es noch keine Computer gab, hat die Statik und das Konstruieren am Zeichenbrett richtig Spaß gemacht. Auch hatte man im Büro immer wieder mal Zeit zum Feiern, siehe Anhang.

[/quote]

ja, das waren noch andere Zeiten.

Wir hatten Bücher, so richtig aus Papier zum in die Hand nehmen, Lochkarten usw.
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Mythos BIM im Ingenieurbüro 03 Nov 2018 11:31 #63970

  • Jens01
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Als es noch keine Computer gab, hat die Statik und das Konstruieren am Zeichenbrett richtig Spaß gemacht. Auch hatte man im Büro immer wieder mal Zeit zum Feiern, siehe Anhang.
So ein Leben haben heute nur noch die Softwareentwickler ... :woohoo:
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Mythos BIM im Ingenieurbüro 04 Nov 2018 07:53 #63971

  • markus
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hi,Holtman schrieb:
..
Wenn eine Statiksoftware die .ifc Schnittstelle verarbeiten kann, kann man das Gesamtmodell an diese übergeben ..
theoretisch ja.
praktisch nein.

wir arbeiten seit über 15 jahren viel in 3d .. einsam und verlassen, weil
. wir hatten allerseltenst brauchbare 2d-vorlagen der objektplaner
. wir hatten noch nie brauchbare 3d-vorlagen der objektplaner
. für haustechnikerpläne (durchbrüche!) gilt das ebenso oder vielmehr
. die breite implementierung von ifc wird so gut/schlecht, wie die von dwg/dxf.

grüsse, markus
Markus L. Sollacher, Berat. Ing. BYIK
mlsollacherATt-onlinePUNKTde
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Mythos BIM im Ingenieurbüro 04 Nov 2018 08:48 #63973

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markus schrieb:
. die breite implementierung von ifc wird so gut/schlecht, wie die von dwg/dxf.

die funktionieren doch. Ok, man muss noc hHand anlegen, aber das nennt sich Arbeit.
BIM in der Praxis ist hingegen nicht wirklich zu erwarten. Mehraufwand ohne Nutzwert hat sich noch nie durchgesetzt.
Und die paar Anwendungen bei denen es geht und Sinn macht, sind eher selten. Insbesondere die Liobgesänge und Beispiele, mit denen BIM angeprisen und gefeuiert wird, sind realitätsbezogen doch eher konstruierte Ausnahmen. Erinnert mich mehr an die so leichtläufigen Beispiele, mit denen die 3D-Bewehrungskonstruktion per CAD auf den Messen angepriesen wurde. Alles ganz easy und einfach ... nur in der Praxis war es dann doch anders und ist teilweis auch heute noch viel Gefummel.

Mir sind große Büros bekannt, die groß von BIM erzählen und mit ihren Erfahrungen hausieren gehen. Das hat aber eher via Alleinstellungsmerkmal Marketinggründe und keine ehrlichen.
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Mythos BIM im Ingenieurbüro 04 Nov 2018 12:21 #63976

  • zeemann
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Für die kleinen Krauter, welche Statik UND Architektur machen, die es aber fast nur noch auf dem Land gibt, ist ein internes BIM bestimmt nicht verkehrt, es würde auch funktionieren, da alles in einer Hand liegt.

Wir hatten auch mit solchen Kollegen schon zu tun, das ist aber dann die Kategorie, die niemals 6500 EUR (+Wartungsvertrag) alleine für ein CAD Programm ausgeben würde. Die arbeiten dann zum Teil mit Statik Software der alten Normengeneration für 99,- EUR das „DIN-Paket“.

Die „Krauter“ welche hier im Forum gemeint sind, sind dann eher die klassischen Statik-Ingenieurbüros mit 1(-3) Ingenieuren und evtl. noch einem Bauzeichner. Die rechnen i.d.R. Neubauten in der Größenordnung bis 10 Familienhäuern, kleine Gewerbeobjekte und ganz viel Umbauten.

Damit dies auskömmlich ist benötigt man einen Stamm von Architekten, die einen ständig mit Aufträgen füttern. Das heißt man hat dann wiederkehrend mit vielleicht so 10 Architekturbüros zu tun, die alle unterschiedlich arbeiten, verschiedene CAD-Programme verwenden. In den Büros arbeiten immer wieder häufig wechselnde (junge) Mitarbeiter, die Qualität der CAD Daten schon im 2D ist katastrophal. Teilweise zeichnen die mit gerundeten Koordinaten, so dass hinterher nichts mehr stimmt. Dann ist z.B. eine Wand nicht 24 cm, sondern 24,00321456213 cm breit.

Wir bekommen so gut wie NIE saubere CAD Zeichnungen, die man 1:1 übernehmen könnte. Daher zeichnen wir alle Pläne nochmals über, das ist weniger Arbeit als die Pläne zu säubern. Ab und zu versucht man es dann doch noch mal ohne Überzeichnen, das ist aber bisher IMMER in die Hose gegangen.

Wie soll da BIM funktionieren ???

BIM könnte ich mir vorstellen, wenn ein großer Bauherr einen großen Neubau (z.B. ein Bürogebäude, am besten freistehend) errichten will und dann den Auftrag an einen großen Generalplaner vergibt, der das Planungsteam (Architekten-Statiker-Betriebswirte) direkt im Hause hat und alle mit der gleichen Software arbeiten. Der Teamleiter muss dann alles in der Hand haben, sehr erfahren sein, jederzeit persönlich erreichbar und ausschließlich an einem Projekt arbeiten.

Das Gebäudemodell ist dann für den Bauherrn schon recht interessant im gesamten Gebäude-Lebenszyklus.

Das sind dann natürlich auch die Traumkunden der Softwarehäuser, die gesamte Software wird vom gleichen Hersteller (egal ob das sinnvoll ist oder nicht) gekauft mit zig. Lizenzen und alle mit Wartungsvertrag.

Die brutale Realität der überwiegenden Anzahl der kleinen Ingenieurbüros sieht halt anders aus.

Wenn wir BIM-mäßig arbeiten würden, was aus o.g. Gründen vollkommen sinnlos ist, könnten wir max. 30 % der heutigen Projekte abwickeln, bezahlen würde das aber keiner.
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Mythos BIM im Ingenieurbüro 04 Nov 2018 15:18 #63977

  • DeO
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zeemann schrieb:
Die „Krauter“ welche hier im Forum gemeint sind, sind dann eher die klassischen Statik-Ingenieurbüros mit 1(-3) Ingenieuren und evtl. noch einem Bauzeichner. Die rechnen i.d.R. Neubauten in der Größenordnung bis 10 Familienhäuern, kleine Gewerbeobjekte und ganz viel Umbauten.

Die Leistungsgrenze ergibt sich allerdings nicht über die Fachkenntnis, sondern aus der Tatsache, dass der zeitgleiche Output an Plänen limitiert ist. Daher scheiden Großprojekte jedweder Art sinnvollerweise aus.
Selbst wenn man sie leisten könnte, würde man sich zu sehr an einzelne Auftraggeber binden, was einen abhängig und damit auch erpressbar macht.
Damit dies auskömmlich ist benötigt man einen Stamm von Architekten, die einen ständig mit Aufträgen füttern.

Eher eine Mischung aus Auftraggebern. Dann kommt immer was rein.

Wobei ich in der luxuriösen Situation bin, nicht jeden komischen Umbau machen zu müssen. Was nicht wirklich seriös erscheint, wird nicht angefasst, ja teilweise nicht einmal angeboten. Allerdings fallen auch größere Bauträger und Investoren in diese Kategorie.

Das heißt man hat dann wiederkehrend mit vielleicht so 10 Architekturbüros zu tun, die alle unterschiedlich arbeiten, verschiedene CAD-Programme verwenden. In den Büros arbeiten immer wieder häufig wechselnde (junge) Mitarbeiter, die Qualität der CAD Daten schon im 2D ist katastrophal. Teilweise zeichnen die mit gerundeten Koordinaten, so dass hinterher nichts mehr stimmt. Dann ist z.B. eine Wand nicht 24 cm, sondern 24,00321456213 cm breit.

Ja, etliche Pläne sind sehr sehr dünn, aber so drastisch würde ich es nicht ausdrücken. Entscheidend ist immer noch der Ausdruck.
Wir bekommen so gut wie NIE saubere CAD Zeichnungen, die man 1:1 übernehmen könnte. Daher zeichnen wir alle Pläne nochmals über, das ist weniger Arbeit als die Pläne zu säubern. Ab und zu versucht man es dann doch noch mal ohne Überzeichnen, das ist aber bisher IMMER in die Hose gegangen.

wie konkret? - Es läuft doch vorrangig auf den Positionsplan hinaus. Welche Einfluss darauf haben solche Maßabweichungen? Selbst für Schal- und Bewehrungspläne ist das unerheblich.
Die brutale Realität der überwiegenden Anzahl der kleinen Ingenieurbüros sieht halt anders aus.

ich empfinde diese Realität als sehr viel angenehmer. Ich möchte nicht in ewige Besrechungen und Abstimmungen eingebunden sein und auch nicht nervige Formalitäten aufgezwängt bekommen. Das ist nur nutzfreie redaktionelle Ressourcenverschwendung, weit abseits der Ingenieurtätigkeit.
Wenn wir BIM-mäßig arbeiten würden, was aus o.g. Gründen vollkommen sinnlos ist, könnten wir max. 30 % der heutigen Projekte abwickeln, bezahlen würde das aber keiner.

So ist es. Also Bogen drum machen. Sollen sich andere die Finger daran verbrennen und stolz auf ihre Brandwunden sein.
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