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THEMA: Braucht man überhaupt noch Statiker?

Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 06:57 #67364

  • WMFlord
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Ich habe das jetzt mehrmals beobachtet. Es gilt dieser Sachverhalt. Macht man die Statik selber, dann wird die Zeit, die man für die Statik gebraucht hat bei der Werkstattplanung eingespart. Es ist also eine Nettonullzeit, die ein externer Statiker bringt.
Dafür habe ich folgende Erklärung. Zwischen den Firmen muss kommuniziert werden und man muss sich in die Arbeit des anderen reinfinden. Z.B. Ein Projekt braucht 100 Stunden Architekturplanung, 100 Stunden Statik und 100 Stunden Werkstattplanung, dann wären das eigendlich 300 Stunden. Doch zwischen den Aufgabenfeldern muss ein Anschluss zu dem Vorgänger hergestellt werden. Also Pläne verstehen und Kommunikation. Der Anschluss macht 150 Stunden. Also 100+150+100+150+100= 600 Stundenn. Der Statiker arbeitet deshalb 250 Stunden und der Konstruktör auch. Lässt man jedoch den Statiker weg, dann hat der Konstruktör nicht 500 Stunden zu arbeiten, sondern nur 250+250 = 350 Stunden. Abstimmungsarbeit macht den Löwenanteil aus. So war es damals schon so, dass wir von der Traggerüstfirma nur 35€ für die Ingenieursstunde verlangten und bei anderen Projeten 57€ pro Ingenieursstunde. Bei Traggerüste konnte man am Rechner arbeiten, während bei anderen Projekten die Arbeit darin bestand zu verstehen, was der andere gemacht hat und Telefonieren.
Ein anderes Problem ist, dass die Arbeit des Statikers für die ausführende Firma viel zu schlecht ist. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen werden unwirtschaftliche Materialien und Konstruktionen verplant, weil der Statiker es nicht besser wissen kann. Z.B. S235 oder 98% Auslastung des Anschlusses. S235 braucht mehr Stahl, weil nur 2/3 Festigkeit. Und 98% Auslastung macht mit 15% Wahrscheinlichkeit extrem viel Arbeit, weil etwas dazwischen gekommen ist. Zum anderen ist die Arbeit schlecht, weil die Zeit knapp ist. Da werden Dokumente zusammengeschmiert, die nicht auf Text durchsuchbar sind oder Pläne erstellt, wo die Hälfte der Regeldetails fehlt.

Ich würde mir so gerne wünschen, wenn ich beides machen könnte. Also Statik und Konstruktion (Stahlbau). Da würde so viel sinnlose Arbeit wegfallen:
  • Pläne des anderen verstehen.
  • Den teilweise lesbaren Pixeltext der Statik entschlüsseln.
  • Fragen formulieren zu dem was fehlt.
  • Langes suchen bis man was versteht und dann Email + Warten auf Antwort.
  • Wenn was kolidiert, dann Kommunizieren anstatt seine Zahlen ändern
  • Wenn was schwer zu zeichnen ist, dann Durchquälen anstatt seine Zahlen ändern
  • Wenn der Statiker eine Zahl ändert (wegen Architekt), muss ich viel ändern + Kollisionsrisiko
  • Fehler, weil man eine Information übersehen hat
Dieser Mist macht 60% meiner Arbeitzeit aus, nur 40% sind produktiv. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist es so, dass Statiker gar nicht gesucht werden, sondern Bauleiter und Systemingenieure, also Kommunikation statt Statik.
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Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 07:47 #67365

  • Baumann
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Obwohl ich einige "Berechnungen " und Ansätze nicht teile - grundsätzlich stimme ich Ihnen zu: insbesondere Stahlbaustatik und Konstruktion gehören bestenfalls in eine Hand!

Warum Statiker nicht öffentlich gesucht werden, liegt an zwei Punkten a. es gibt zu wenige und b. die es noch gibt sind den Suchenden zu teuer. Es wird in dieser Branche nach wie vor weit unter Gebührenordnung gearbeitet und dann sind nun einmal ordentliche Gehälter nicht drin. So beobachte ich einige Büros, welche seit Jahren lieber viel Geld in Marketing und Headhunter stecken, als in die Gehälter.
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Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 07:52 #67366

  • FischerH
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Heiße These!

Wenn die Welt rein aus der Optimierung der Arbeitszeit beteht,
solltest Du ein entsprechendes Manifest erarbeiten.

Ich von meiner Seite arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen
und der Austausch (Gespräche/Termine etc.) mit anderen "kostet"
zwar Zeit, aber mit guten Planern und Handwerkern konnten in meinem
Berufsleben schon ganz ordentliche Lösungen erarbeitet werden.
Das ist das, was mir an meiner Arbeit auch Spass macht.

Wenn Du aber ein Universalgenie bist, kannst Du sicher auf andere verzichten...
(Macht aber vielleicht etwas einsam)
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Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 10:59 #67368

  • KaiF
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Es gibt da draußen aber nicht nur Stahlbau ;)
Sicher ist es mitunter sinnvoll, Ausführungsstatik und Werkstattplanung in die Hand der Ausführungsfirma zu legen. Grad im Stahlbau oder bei Fertigteilen. Im Ingenieurbau zeigt die Praxis leider, daß unter "Optimierung" schnell eine simple Gewinnmaximierung verstanden wird. Da werden hohe Stahlpreise angeboten und die Statik darauf hingerechnet. Ohne Prüfung der Wirtschaftlichkeit geht das schief.
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Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 11:12 #67369

  • Jens01
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Wenn die Welt rein aus der Optimierung der Arbeitszeit beteht,
solltest Du ein entsprechendes Manifest erarbeiten.
Die Optimierung der Arbeitszeit, wird IMHO seit die Menschheit sesshaft geworden ist, betrieben. Fahrt hat sie aufgenommen seit der Industrialisierung. Der Einzige, der dagegen war, hat ein umfangreiches Manifest erarbeitet. Die, die sich an das Manifest halten, sind China und Russland.

@Simon
Diese These versuchte ich Dir ja schon einmal darzulegen. Im Holzbau -wie Du weißt- wird das ja in kleinen Bereichen schon betrieben -> z.B. bei den Nagelplattenbindern.
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Braucht man überhaupt noch Statiker? 26 Mär 2020 11:16 #67370

  • Jens01
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...Da werden hohe Stahlpreise angeboten und die Statik darauf hingerechnet. Ohne Prüfung der Wirtschaftlichkeit geht das schief.
Das kommt auf die Art des Geschäftes an. Bei den Nagelplattenbinder wird der fertige Binder für die gegebene Belastung (inkl. Statikoptimierung) angeboten.
Und das funktioniert wirtschaftlich sehr gut.
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