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THEMA: Bin ich auf dem Holzweg ?

Bin ich auf dem Holzweg ? 05 Sep 2003 12:59 #844

  • Andreas aus Braunschweig
  • Andreas aus Braunschweigs Avatar
Hallo Kollegen,<br />
häufiger ist mir bei Dachstatiken der Konkurrenz aufgefallen, dass bei der Berechnung von Pfettendächern mit 2-Feldsparren ein Firstauflager angesetzt wird. Unter dem Motto: die Sparren stützen sich am First gegenseitig ab wird dann keine Firstpfette mehr nachgewiesen und die First-Lasten fallen unter dem Tisch. Die Fußpunkte, meistens mit einem Mauerwerkdrempel werden ganz normal mit Schwelle u. U-Schale ausgeführt und die Sache ist erledigt. Nach meinem Verständnis handelt es sich dann aber um ein Sparrendach mit Unterstützung im Bereich der Mittelpfetten. Die sich gegenseitig abstützenden Sparren im First erzeugen zusätzliche Normalkräfte im Sparren die an den Fußpunkten auch zusätzliche H-Kräfte erzeugen. Da aber in den meisten Fällen noch ein Kehlbalken vorhanden ist werden die zusätzlichen H-Kräfte schon vorher gleichmäßig beidseitig im Kehlbalken eingeleitet der nun auch eine Zugbandfunktion übernehmen muss. Entsprechend muss der Kehlbalkenanschluss an die Sparren hergestellt werden. D.h. die Kehlbalken werden dann in einem Pfettendach zwingend notwenig. Dieses gemischte System ist mir in der Literatur nicht bekannt. Und meine Statikprogramme unterscheiden auch nur nur Kehlbalkendach, Sparrendach, und Pfettendach. Wenn ich beim Pfettendach das Firstauflager weglasse wird programmtechnisch jeder Sparren als Einfeldsparren mit Kragarm betrachtet. Und einen Kehlbalken gibt es nicht weil es sich ja um ein Pfettendach handelt. Wenn ich ein Kehlbalkendach rechne sind zusätzliche Mittelauflager nur im Bereich der Kehlbalken möglich und die H-Kräfte an den Fußpunkten zu groß. Wenn ich ein Sparrendach rechne habe ich wieder keinen Kehlbalken …………. usw. <br />
Ich brauche als Ergebnis: keine Firstpfette und normale H-Lasten aus Wind am Fußpunkt. <br />
Also rechne ich mein Pfettendach wie folgt: <br />
1. Pfettendach mit einem fiktiven Firstpfettenauflager<br />
2. Spitzbodendreieck (Sparren. Kehlbalken) als Sparrendach nur mit der Einzellast aus dem <br />
First. => Ergebnis: Momente ~ 0 und Auflager H-Kräfte = Kehlbalkenzugkräfte <br />
3. Nachweis der Mittelpfetten unter Berücksichtigung der halben Firstlast<br />
Ergebnis: Pfettendach ohne Firstpfette aber mit normalen H-Lasten am Fußpunkt<br />
Bin ich auf dem Holzweg oder geht es auch einfacher ?<br />
<br />
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Re: Bin ich auf dem Holzweg ? 05 Sep 2003 15:16 #845

  • Keith Sinclair
  • Keith Sinclairs Avatar
Guten Tag Andreas aus Braunschweig.<br />
Ihr statisches System nennt man ein Pfettendach mit Firstgelenk und stellt ein gemischtes System aus Pfetten und Kehlbalkendach dar. Wenn Ihnen kein Stabwerksprogramm zur Verfügung steht könnten Sie eine Berechnung näherungsweise nach dem folgenden durchführen: "Pfettendächer ohne Firstpfetten", N.Wienecke in "Bauen mit Holz" vom Bruder Verlag. Die Angaben habe ich aus dem Holzbau Handbuch vom Informationsdienst Holz Reihe 2, Teil 3, Folge 2: Hausdächer. Dieses Handbuch können Sie kostenlos anfordern.<br />
Mit freundlichen Grüßen<br />
Keith Sinclair
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Re: Bin ich auf dem Holzweg ? 05 Sep 2003 15:31 #846

  • Florian Muthmann
  • Florian Muthmanns Avatar
Hallo Andreas,<br />
das mit den geringen H-Lasten im Drempel bei einigen Kollegen ist mir auch rätselhaft. <br />
Dein Problem ließe sich durch andere Programme lösen (Kehlbalkendach mit zusätzlich frei deffinierbaren Auflagern) oder mal mit einem Stabwerksprogramm veruchen. <br />
Bei Deinem Gedankengang, dass der Kehlbalken die Zugkräfte aufnimmt, möchte ich meine Zweifel anmelden. Da der Kehlbalken etwa auf halber Höhe sitzt, ist dort die Durchbiegung der Sparren am größten. Daher ist der Kehlbalken ein Druckglied.<br />
Mein Programm berechnet diese gemischten Systeme und kommt zu rel. hohen H-Lasten am Fußpunkt, die Abhängig sind von der Steifigkeit der Sparren. <br />
Grüße <br />
Florian Muthmann<br />
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Re: Bin ich auf dem Holzweg ? 07 Sep 2003 17:03 #847

  • Hendrik
  • Hendriks Avatar
Hallo, zur Dachstatik ist zuerst das stat. System<br />
immer zusammen mit der Konstruktion festzulegen. Wird die Kehlbalkenscheibe nach DIN 1052 ausgebildet (l/400 der Beplankung) und werden dort die H-Kräfte aufgenommen und weiter verfolgt, dann sind dort auch horiz. Lager zweckmäßig zu rechnen. Dadurch werden die senkrechten Windkräfte dort geringer und die Pfetten kleiner! Die senkrechten Lasten aus dem Firstpunkt werden dann den zugehörigen Mittelpfetten zugerechnet oder eine Firstpfette mit Stielen angeordnet, bezw. Sprengwerk an geeigneten Stellen. Hier sind dann aber in Längsrichtung bei Gelenken aus Kopfbändern auch die nicht unerheblichen Giebel-Windkräfte aus Windrispen zu verfolgen und zu bemessen. Werden an den Mittelpfetten keine waagerechten Lager bestimmt, dann erhöhen sich dort die senkr. Windlasten und die Pfetten werden größer. Mit Programm kann man schnell feststellen, wenn die Lager C und/oder D jeweils wechselseitig bei den einzelnen Lastfällen verschieblich eingegeben werden, wann dort auch Druck- und/oder Zugkräfte im Kehlbalken entstehen und evtl. die Zugkräfte durch Eigengewicht aber wieder überdrückt werden. Wenn die Kehlbalken eine Scheibe erhalten, dann sind auch noch die Mindestbreiten für alle Randabstände der Nägel einzuhalten bei der Beplankung, also Breiten von => 8 cm und evtl. noch mehr! Mindestbreite der Sparren => 8 cm wegen Lattenstoß!<br />
Die Konstruktion legt also das wirklichkeitsnahe statische Modell fest, sonst sind Schäden und/oder ungewollte Verformungen nicht mehr zu verhindern und Sie werden bei der heutigen Klagefreudigkeit schnell bluten müssen! <br />
<br />
Die Dachstatik ist ein elementares weites Feld, deshalb gibt es hierüber auch viel Literatur vom Informationsdienst Holz! <br />
Wenn Sie sich in dieser Hinsicht umfassend und kompetent für Ihr weiteres Leben ausbilden lassen wollen, dann rufen Sie mich an unter 04239-1509.<br />
Sie erhalten dann auch viele Tipps und Vorlagen aus meiner (40 Jahre gesammelten) Handakte, die ich auch als Prüfstatiker sorgfältig gepflegt habe. Dipl.-Ing. Luttmer
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