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THEMA: Tragende Wand abfangen

Tragende Wand abfangen 13 Okt 2019 17:48 #66035

  • Mr.Statik
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Hi copm.,
also für mich ist irgendwie der gestrichelte Träger der Hauptträger, da dieser im Endeffekt die ganzen Lasten aufnimmt. Ich habe oft solche Verbindungen gerechnet und immer gelenkig, meist mit einem winkelanschluss. Aber habe mir nie Gedanken um ein auftretendes Moment an der Verbindungsstelle gemacht, da die Verbindung ja gelenkig sein soll. Höchstens könnte dort ein Versatz Moment entstehen aus dem Abstand des Lastangriffspunktes der Schraube zum Träger, sollte aber nicht maßgebend sein.
Wieso denn diese Schwierigkeit bei der Entscheidung der Verbindungswahl, gelenkig oder biegesteif?
MfG
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Tragende Wand abfangen 14 Okt 2019 05:40 #66037

  • Sebastian Fellner
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Bitte Gesamtdurchbiegung beachten! Im Bestand nicht über L/500 gehen und auf mögliche Risse hinweisen. Mir erscheint der HEA300 zu gering bei dieser Linienlast und Spannweite.

MfG,
Fellner
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Tragende Wand abfangen 14 Okt 2019 14:29 #66040

  • mmue
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Hallo,

das Torsionsproblem kannst du in diesem Fall vernachlässigen. Der gestrichelte Träger wird sich zwar etwas mitdrehen, aber diese Torsion tritt ja nur infolge der Verbindung der beiden Träger und der daraus resultierenden geometrischen Verträglichkeit auf. Aus Gleichgewichtsgründen ist Torsion nicht erforderlich. Also wird sich der gestrichelte Träger etwas drehen und gut ist. EIN BDK-Problem haben die beiden gedrungenen Träger bei kurzen Stützweiten ohnehin nicht.

Vielmehr solltest du dir Rechenschaft darüber ablegen, wo denn die nicht ganz zu unterschätzenden Auflagerkräfte bleiben sollen, und zwar bis zur Gründung hin. Das ist nicht trivial. Gehen die Wände an den Auflagerpunkten bis zum Keller durch? Wie sieht's mit den Fundamenten aus? Müssen die verstärkt werden?

Außerdem mußt du klären, wie denn die beiden Träger eingebaut werden sollen (Thema Absteifung). Wer hält die oben anfallenden Lasten wenn die Wand weg und der Träger noch nicht da ist? Absteifkonstruktion während der Bauphase?

Außerdem sind HEA-Träger bei relativ kurzen Stützweiten und hohen Lasten nicht das Mittel der Wahl. Besser HEB verwenden. Ein Schubspannungsnachweis schafft da schnell Klarheit.

Im übrigen solltest du Einfeldträger auch ohne Programm per Hand bemessen können.

Gruß
mmue
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Tragende Wand abfangen 14 Okt 2019 22:08 #66045

  • Compengineer
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Grüß euch!
Mr.Statik schrieb:
also für mich ist irgendwie der gestrichelte Träger der Hauptträger, da dieser im Endeffekt die ganzen Lasten aufnimmt. […] da die Verbindung ja gelenkig sein soll. Höchstens könnte dort ein Versatz Moment entstehen aus dem Abstand des Lastangriffspunktes der Schraube zum Träger, sollte aber nicht maßgebend sein.

Das stimmt. Eigentlich ist der strichlierte Träger, der, der alles abfangen muss. - Warum biegesteif? Nachträglich eine gute Frage - ich hatte mir das irgendwie beim Überlegen der Abfangung durch eine Stahlkonstruktion so gedacht und erst viel später daran gedacht, dass es wohl sinnvoller wäre, die Verbindung gelenkig zu machen. Da habe ich die Frage aber schon geposted gehabt.

@Sebastian Fellner: Mittlerweile bin ich bei einem HEB320 angekommen. - Allerdings: warum L/500 bzw. wo steht das? Ich habe L/250 damals gelernt, und verbinde L/500 nur irgendwie mit dem Brückenbau.

@mmue: Danke für deine Antwort! Genau BDK hatte ich gefürchtet infolge der Torsion, sollte ich den Anschluss biegesteif ausführen …
Deine Ausführungen bzgl. der Fundamentbeanspruchung ist gerechtfertigt, hier werde ich mich mit dem Bauherren kurzschließen und die Struktur nochmals begutachten.
- Bzgl. HEA, hier hab ich mich leider verschrieben und HEB gemeint. Und - ja, doch, Einfeldträger kann ich händisch bemessen, das klappt noch ;)

Beste Grüße,
compengineer
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Tragende Wand abfangen 15 Okt 2019 05:48 #66047

  • Sebastian Fellner
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L/500 = l²/150 aus Stahlbetonbau für angrenzende Bauteile. Konkrete Vorgaben im Stahlbau gibt es nach meinen Wissen nicht. Manche gehen bei Umbauten im Bestand noch weiter auf L/750 bis L/1000. Kommt halt auf die Situation drauf an. Und auch auf den Bauherren.

Die Anmerkungen von mmue mit dem Einbau unbedingt beachten. Das kostet aber Zeit und Geld. Ausführende Firma sollte kein Unbekannter/nicht Irgendwer sein. Abstimmen!
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Tragende Wand abfangen 15 Okt 2019 12:15 #66048

  • Compengineer
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Sebastian Fellner schrieb:
L/500 = l²/150 aus Stahlbetonbau für angrenzende Bauteile. Konkrete Vorgaben im Stahlbau gibt es nach meinen Wissen nicht.

Alles klar! Danke für die Info.
Bzgl des Einbaus werde ich mich auf jeden Fall mit einer anerkannten Firma zusammentun; ebenfalls hole ich mir noch Informationen über die nun weiter beanspruchten Fundamente. - Meines Wissens ist kein Keller darunter, sondern nur eine 5cm Unterbetonschicht auf einer Rollierung, sowie möglicherweise Schalsteinen. Das muss aber noch eruiert werden.

Eine kurze Frage noch zum Anschluss der beiden Träger. Ich würde das wie in folgender Skizze lösen:



Also der Hauptträger (= der kürzere Träger) erhält ein zusätzliches Stegblech/Rippe (t = wie Stegdicke), welches an den Steg und die beiden Flansche geschweißt wird.
Dann wird daran ein Stirnblech (t = 1,0 cm) angeschweißt. Der Abfangträger (der längere) bekommt dasselbe Stirnblech. Beide werden anschließend über Schrauben verbunden.
Die Stirnbleche werden jeweils nur am Steg bzw. der Rippe angeschweißt, um möglichst eine gelenkige Verbindung zu erzielen.

Schweißnähte weise ich nach; Beulen der Rippe auch, bzw. kann das aus der Geometrie ausgeschlossen werden; und dann noch die Schrauben bzw. den Stoß auf Abscheren, Lochleibung sowie die Stirnplatte, dass sie die (elastische) Beanspruchung aufnehmen kann.

Das müsste ja meiner Meinung nach so funktionieren, oder?

LG,
compengineer
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