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THEMA: Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,...

Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 09 Jun 2017 14:37 #61421

Hallo zusammen,

ich habe folgende Situation:

Sohlplatte h=20cm, C25/30 frei bewittert auf Sand betoniert. Reibbeiwert mit 2,0 angenommen. Abmessungen 8m x 8m. Nun möchte ich zum einen die erforderliche Bewehrung für eine Risssicherheit von 0,3mm ermitteln und in einem zweiten Schritt die Verformung der Platte. Also wie weit wird sich die Platte verformen unter
1. Abfließende Hydratation
2. Schwinden
3. Temperaturdifferenz Sommer/Winter.

Kann mir jemand einen Tip geben wo ich das nachlesen kann wie ich die Nachweise und Verformungsberechnungen führen kann?

Habe es schon mal mit dem Frilo Modul berechnet. Dabei ergibt sich eine Bewehrung von 0,40cm²/m je Seite.

Gruß Sparky
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Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 09 Jun 2017 19:14 #61422

Guten Abend,

ich denke was Sie suchen setzt sich zum einen zusammen aus der normalen Rissbreitenbemessung nach EC2, Kap 7.3, also einer gewöhnlichen Rissebemessung, welche allerdings vollen Zwang berücksichtigt, und einer Berücksichtigung der Reibung z.B. nach "Lohmeyer: Weiße Wannen". Im Lohmeyer sind die Berechnungen zur Ermittlung von Betonzugkräften in Abhängigkeit der Reibung aufgeführt.
Beim Reibbeiwert von 2,0 haben Sie sich sicher vertippt nehme ich an? Auch ohne Trennlage kommen Sie bei Beton auf Sand auf max 0,9-1,1 als Reibbeiwert.
Verformungen:
1.) lässt sich mM keinesfalls korrekt berechnen, weil von viel zu vielen Faktoren abhängig (Festigkeitsentwicklung Beton, verwendeter Zement, Nachbehandlung, etc.)
2.) Nach EC2, 3.1.4 lassen sich Schwinddehnungen, auch in abhängigkeit der Zeit berechnen.
3.) Linear-elastisch mit delta l = l x alpha T x delta T

Vielleicht noch eine grundsätzliche Anmerkung: in Ihrem Fall wir auf jeden Fall später Zwang maßgebend werden, d.h.quasi der 3. Fall. Die ganze Hydratationsbemessung (früher Zwang) ist in der Fachwelt seit einiger Zeit erheblich in Diskussion, auch nachzulesen im Kommentar zum EC2. Problem ist einfach dass es keine Betone mit der entsprechenden Festigkeitsentwicklung (mehr) gibt, die diesen Ansatz rechtfertigen würden.
Die ganzen Gleichungen die Sie brauchen sind, glaube ich, in der Frilo Hilfe dokumentiert, einfach mal reinlesen.

Grüße
marpau
Letzte Änderung: 09 Jun 2017 19:15 von marpau. Begründung: Vertipper
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Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 09 Jun 2017 20:38 #61423

marpau schrieb:
Problem ist einfach dass es keine Betone mit der entsprechenden Festigkeitsentwicklung (mehr) gibt, die diesen Ansatz rechtfertigen würden.


Hallo marpau, (ein kurzer Einschub zu Ihrer obigen Anmerkung)

meine Erfahrung ist hier eine andere.
Ich bin kein Betontechnologe ... aber soweit ich informiert bin ist es nicht das Problem einen langsam erhärtenden Beton ( r < 0,3 ) herzustellen.
Das Problem bei den Betonwerken liegt eher darin begründet einen Beton herzustellen, der einerseits langsam erhärten aber andererseits schon nach 28 Tagen die geforderte Festigkeitsklasse aufweisen soll.
Lösung:
Vereinbaren erst nach 56 Tagen die geforderte Festigkeitsklasse erreichen zu müssen.

Gruß
Lehmann
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Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 10 Jun 2017 12:48 #61424

hi,
marpau schrieb:
..
Vielleicht noch eine grundsätzliche Anmerkung: in Ihrem Fall wir auf jeden Fall später Zwang maßgebend werden,

ich bin, dachte ich bisher, einer der letzten, die sich gegen späten zwang verwehren ;)
dass der im vorliegenden fall "auf jeden fall" bemessungsrelevant wird, tritt nicht automatisch ein.
im "frühfall" ist (angeblich) kleinere zugfestigkeit vorhanden, die schnell durch abfl. hydratwärme überschritten wird.
im "spätfall" ist die zugfestigkeit deutlich höher - und mehr als doppelter zwang kommt woher?
immerhin, endlich mal eine schöne, ziemlich zwangsfrei gelagerte bodenplatte.

die, für den frühfall, begrenzung der zugfestigkeit oder zumindest die angabe der zugfestigkeit ist nicht nur "nice to have" (dbv rundschreiben 242) - gleichwohl schwierig zu realisieren: die 3d-festigkeit liegt nicht bei 50%, sondern bei 65% der *sowieso* höheren endfestigkeit (die liegt, bei einzelfallbeprobung wegen rissforschung, auch mal bei 150%).

grüsse, markus
Markus L. Sollacher, Berat. Ing. BYIK
mlsollacherATt-onlinePUNKTde
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Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 10 Jun 2017 14:14 #61425

"ich bin, dachte ich bisher, einer der letzten, die sich gegen späten zwang verwehren.."

Ja, und ich bin der Vorletzte :)

Am liebsten den "vollen späten Zwang", Zugfestigkeit mindestens 3 N/mm²
ansetzen.

Hat den Vorteil, man braucht sonst nicht mehr viel Statik :)

Na ja, jeder wie er will.
__________________________________________

Ergänzung:

Bei 8 x 8 m natürlich das volle Programm.
Letzte Änderung: 10 Jun 2017 14:15 von statiker99.
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COM_KUNENA_THANKYOU: morten25

Berechnung Verformung Sohlplatte - Hydratation,... 10 Jun 2017 15:37 #61426

Hallo zusammen,

vielen Dank schon mal für die ganzen Antworten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit den Rissbreitennachweisen nicht richtig auskenne. Hat jemand eine gute Literaturempfehlung wo das mal detailliert und verständlich beschrieben ist?

Auch wenn die Verformungen nur als grobe Näherung zu sehen sind würde sie trotzdem gerne ausrechnen um mal ein Gefühl dafür zu bekommen um welche Größenordnungen es geht. Jetzt nicht nur für diesen Fall sondern auch für andere.

Gibt es denn eine gute Software die diese ganzen Nachweise führt? Früher Zwang, später Zwang, Temperatur, usw.?

Gruß Sparky
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