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THEMA: Anprallast Gabelstapler

Anprallast Gabelstapler 12 Dez 2002 22:07 #265

  • Dieter
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Liebe Kollegen,

gemäß DIN 1055 muß in Garagen, Werkstätten etc. mit Gabelstaplerverkehr bei den stützenden Bauteilen eine horizontale Anprallast gleich dem 5-fachen Gesamtgewicht des Staplers angesetzt werden. Das Gesamtgewicht der Stapler ist in der Norm in Tonnen angegeben. Ich bin der Meinung, daß die Anzahl in Tonnen, multipliziert mit 5, die Anprallast in kN ergibt. Das hieße, daß ein Stapler mit 7 Tonnen Gesamtgewicht eine Anprallast von 35 kN erzeugt Mein Prüfingenieur ist der Meinung, daß die Gasamtlast des Staplers in kN umzurechnen und mit 5 zu multiplizieren sei. Dann würde ein Stapler mit 7 Tonnen Gesamtgewicht eine Anprallast von 350 kN erzeugen.
Das wäre mehr als bei LKW´s und meiner Meinung nach völlig überzogen. Wer kann mir sagen, wo zu dieser Problematik etwas verbindliches nachzulesen ist. Ich bin für jeden Hinweis dankbar. Vielen Dank im voraus.

Gruß Dieter
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Re: Anprallast Gabelstapler 16 Dez 2002 11:38 #266

  • Frank
  • Franks Avatar
Hallo Dieter,
ich denke Dein "Prüfer" hat recht. Ich kenne es auch so, daß man das Gabelstablergesamtgewicht in kN umrechnet und mit dem Faktor 5 multipliziert.
Um dieser Problematik aus dem Weg zu gehen (wegen der sehr hohen Horizontallast), verwende ich oft Schutzvorrichtungen aus Stahl.

Gruß Frank
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Re: Anprallast Gabelstapler 18 Dez 2002 21:08 #267

  • Juergen
  • Juergens Avatar
Die Anprall(l)asten waren auch bereits vor der Einfuehrung der SI-Masseinheiten
zu beruecksichtigen
=> eindeutig 5-fache Last natuerlich dimensionsrein!!

Gruss aus Kiel
Juergen
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Re: Anprallast Gabelstapler 19 Dez 2002 00:06 #268

  • Dieter
  • Dieters Avatar
Lieber Jürgen,

das stimmt nicht ganz. Die Norm wurde im Juni 1971 überarbeitet. In den Vorbemerkungen ist zu lesen, daß Lasten für Gabelstapler neu aufgenommen wurden, d.h., in der vordem geltenden Norm gab es dazu keine Angaben. Weiterhin ist in den Vorbemerkungen zu lesen, daß seit 1970 SI-Einheiten gelten und die alten Einheiten nur noch bis 1976 benutzt werden dürfen. Deshalb sind die SI-Einheiten in der Norm hinter den alten Einheiten (kp/m etc.) in Klammern gesetzt (kN/m etc.) Wenn also mit Einführung der geänderten Norm halbherzig auf SI-Einheiten umgestellt wurde und gleichzeitig Gabelstaplerlasten neu aufgenommen wurden, kann ich mir schon vorstellen, daß es da zu Unstimmigkeiten kommen kann.

Zum Vergleich: Die bis zuletzt für Lastannahmen geltende DDR-Norm gibt für einen Gabelstapler mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 8 t eine Anprall(l)last von 24 kN vor. Bei einem Stapler mit 7 t Gesamtgewicht müsste gemäß DIN 1055 eine Anprallast von 7 x 10 x 5 = 350 kN angesetzt werden. Ein gewaltiger Unterschied. Trotz aller ideologischen Gegensätze lagen die Normen eigentlich nicht so weit auseinander.

Abschließend noch folgendes: Die seit 1971 geltende DIN 1055 BL.3 wurde im Abschnitt 7.4.1.3, der die Lastangaben für Gabelstapler enthält, einige Jahre später per Erlass um folgenden Satz ergänzt:
"Für Personenkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 2,5 t ist eine Horizontallast von 10 kN in 0,5m Höhe infolge Anpralls anzusetzen (dies gilt auch für Parkhäuser)."
Für einen Stapler mit dem gleichen Gesamtgewicht (2,5 t) müsste man aber eine Horizontallast von 125 kN ansetzen. Die Differenz von 115 kN ist für mich nicht plausibel. Wo ist der große Unterschied zwischen Stapler und PKW zu finden, der derartige Unterschiede rechtfertigt?

Für einen Stapler mit 13 t Gesamtgewicht nach Tab. 2 DIN 1055 müsste nach Deiner Lesart eine Anprallast 650 kN angesetzt werden. Da nähert man sich schon langsam dem Niveau von Brückenpfeilern an Autobahnen, auf denen mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten verkehrt wird.

Ich denke, es wäre interessant, mal nachzuschlagen, was die Euronormen dazu aussagen. Die habe ich aber leider nicht griffbereit.

Vielen Dank für Deine Antwort

Gruß Dieter
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Re: Anprallast Gabelstapler 19 Dez 2002 09:59 #269

  • Frank
  • Franks Avatar
Hallo Dieter,

Die hohen Lasten aus Gabelstapler Anprall ergeben sich aus dem geringen Verformungsverhalten des Staplers. Im hinteren Bereich von Staplern befindet sich i.d.R. das Gegengewicht des Staplers, wodurch bei einem rückwärtigen Anprall nur geringe Verformungen zustande kommen, d.h. die Energie des Anpralls wird nicht durch große mögliche Verformungen gemindert. Geht man von einem weichen Stoss aus, d.h. Verformungen der Anprallmasse >> Verformungen Bauteil, so kann man sich die Beschleunigung näherungsweise aus der Beziehung a=v^2/(2s) ausrechnen. Die genaue Betrachtung des Stosses ist natürlich aufwendiger (Baudynamik Skripte Uni- Karlsruhe können kostenlos heruntergeladen werden).
Aber zurück zu unserer einfachen Gleichung, setzt man hier einmal verschiedene Werte ein, so stellt man rasch fest, dass die Beschleunigungen schnell den 5-fachen Wert der Erdbeschleunigung erreicht.
Dieser wiederum entspricht der anzusetzenden Anpralllast nach DIN 1055.
Mit der Normung zu DDR- Zeiten, bin ich leider nicht vertraut.(Damals war ich "statisch" noch nicht aktiv ;o))

Gruß Frank
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