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THEMA: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953

Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 02:41 #43423

Werte Statik-Experten :)

Ich beabsichtige in Kürze den Kauf eines 3-stöckigen Mehrfamilienhauses, errichtet im Jahre 1953.
Das Haus ist voll unterkellert und weist offensichtlich durchgängig eine Deckenstärke von 10cm Stahlbeton auf.
Weil es als "Massivbauweise mit Stahlbetondecken" angepriesen wurde, habe ich mir als Laie keine großen Gedanken hinsichtlich der Statik im Zusammenhang mit meinen Renovierungsvorhaben gemacht.

Weil eine Brennwerttherme zum Einsatz kommen soll, möchte ich auf den Böden des EG und OG Anhydritestrich mit Fußbodenheizung erstellen lassen, worauf wiederum gefliest werden soll.
Die momentanen Bodenbeläge bestehen noch aus einer baujahrestypischen Holzdielenkonstruktion, welche komplett entfernt wird.

Die Statische Berechnung des Hauses liegt mir vor, jedoch werde ich pers. daraus nur wenig schlau...

Sofern möglich, wäre ich für jeden Hinweis oder Einschätzung der Situation im Zusammenhang mit meinem Vorhaben dankbar.

Vielen Dank im Voraus für jeglichen Rat!

LG
Klaus
Letzte Änderung: 21 Nov 2012 16:17 von Klaus303.
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Aw: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 12:17 #43430

Hallo Klaus,

die statische Berechnung zeigt eine berücksichtigte Fussbodenlast von 0,60kN/m2.
Die Sanierung mit Estrich inkl. Fliesenbelag ergibt eine Fussbodenlast von ca. (0,05x20 + 0,40 = 1,4 kN/m2),
das heisst Du erhöhst die Auflast um 0,80 kN/m2.
Prinzipiell hätte ich nun keine Bedenken, dass die Decke deshalb runterfällt, aber Du solltest das Ganze
in jedem Fall mit einem Statiker vor Ort abklären. Mich wundert, wo man die Abflussleitung, Elektroleitungen,
Heizungsinstellation verlegt hat, wenn keine Schüttung vorhanden ist ?

Grüsse
Peter
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Aw: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 14:05 #43433

Hallo Peter,

zunächst mal vielen Dank für deine Einschätzungen.

Woraus genau entnimmst du die genannte Fußbodenlast von 0,60kN/m², bzw. auf welcher Seite des PDFs wird dieser Wert erwähnt - oder hast du ihn anhand der Daten berechnet?
Ist in dem Wert von 0,60kN/m² bereits die Verkehrslast inbegriffen? Wenn mich nicht alles täuscht entspricht dies ja lediglich einer Last von 60kg/m², welche ja lächerlich schnell erreicht sind - da müsste ich ja mit meinen knapp 100kg Körpergewicht Angst haben sogar einen unmöblierten Raum zu betreten, oder verstehe ich da etwas falsch?

Mit einem entfernt bekannten Architekten war ich bereits vor Ort. Nach erfolgter Begehung des Hauses vor Ort und kurzem Studium der statischen Berechnungen, riet er mir kurzerhand von dem Vorhaben Estrich aufzutragen ab, jedoch war er wohl sehr kurz angebunden bzw. nicht dazu bereit konkretere Aussagen kostenfrei zu tätigen...

Das Problem ist leider, dass mein Budget für Sanierungs- und Renovierungsarbeiten mit 40.000 EUR sehr knapp bemessen ist, da ich im Prinzip fast den gleichen Aufwand betreibe, als würde es sich um einen Rohbau handeln (Erneuert werden sämtliche Böden, Fenster, Türen, Heizungsanlage, Sanitärinstallation, Umau einer Küche zum Bad, etc. im EG + EG(knapp 145m²). Aus Kostengründen bleibt das DG zunächst wie es ist - gleiches gilt für die Außenfassade und das Dach).

Insofern muss ich jeden Euro 2x umdrehen bevor ich ihn ausgebe, was eigentlich keine Möglichkeit mehr für die Erstellung eines statischen Gutachtens, welches sicherlich um die 1.000 EUR oder mehr kostet, lässt.

Heizungsleitungen wurden Aufputz verlegt und mit geräumigen Fußbodenleisten verkleidet. Die Befeuerung der 3 Etagen erfolgte bislang über uralte Gasetagenheizungen, ausgenommen vom EG, welches von einer atmos. Gastherme (BJ2000) im Keller befeuert wurde.
Elektro- und Abwasserinstallation erfolgte wohl unterputz, in den Wänden, sofern ich das bisher erkennen konnte.

Ich verstehe dich also schon richtig, dass das ganze Vorhaben (Estrich+FußbodenHZG+Fliesen) eher riskant ist und du davon abrätst?

Welche Maßnahmen könnte ich zur Deckenverstärkung ergreifen? Würde das einziehen von Stahlträgern an der Kellerdecke die Nutzlast ausreichend erhöhen? Und wenn ja, wieviele müsste eingezogen werden?

PS.: Zur Qualität oder Beschaffenheit der Bewährung in den Decken lässt sich anhand der stat. Ber. keine Aussage treffen, oder?

Vielen Dank nochmals für deine Hilfe !
Letzte Änderung: 17 Nov 2012 14:16 von Klaus303.
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Aw: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 14:19 #43434

Hallo Klaus,

das mit dem FB siehst Du auf der ersten Seite der statischen Berechnung: Bodenbelag 60kg/m2
Nutzlast wurden mit 150kg/m2 berücksichtigt (siehe ebenfalls erste Seite oben).

Eine Deckenverbesserung wäre durch eine verdübelte Aufbetonschichte mit ca. 5cm möglich.

Wenn es Dir um die FB-Heizung geht: da gibt es auch Systeme die in Matten verlegt werden können,
auf denen dann direkt der Bodenbelag aufgebracht werden kann.

Wenn Du die FB-Last nur geringfügig erhöhst, habe ich keine Bedenken. Ich nehme an, das Gebäude
wurde als Wohnung genutzt und hat bis jetzt funktuioniert. Decken auf Risse kontrollieren (an Unterseite).

Bei Unsicherheiten trotzdem Statiker hinzuziehen, Architekten sind da meist überfordert.

Grüße
Peter
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Aw: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 16:34 #43437

Hallo und guten Abend,

Klaus 303 hat geschrieben:
Ich beabsichtige in Kürze den Kauf eines 3-stöckigen Mehrfamilienhauses, errichtet im Jahre 1953....


Der andere Klaus meint: nachdem was ich in der Statik gesehen habe und nach allem was mir an
weiteren Infos aus den Beiträgen bekannt ist, rate ich (zumindest vorerst) vom Kauf ab, bis dass
sich ein (qualifizierter) Statiker (Gutachter) das Ganze mal vorgenommen hat, "Augen zu und
durch" ist hier überhaupt nicht hilfreich....
.....es ist übrigens auch noch eine Deckenplatte mit 8 cm Dicke berechnet...

galapeter97
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Aw: Tragfähigkeit 10cm Stahlbetondecke, MFH BJ1953 17 Nov 2012 18:11 #43439

Hallo galapeter97,

in dem Haus haben ja immerhin fast 60 Jahre drei Familien ohne (mir bekannte) Probleme gewohnt.
Rissbildung, Feuchte und der Gleichen sind bei diesem Haus nicht vorhanden, Lage ist super, 2 Garagen auf eigenem Grund, 407m² eigenes Grundstück zu einem vergleichsweise guten Preis. Selbst wenn ich keinen Estrich aufbringen darf, denke ich nicht, dass es eine gute Idee wäre vom Kauf nur aus diesem Grund zurückzutreten. Ich habe mir als alternative bereits ein anderes System für eine FB-Heizung herausgesucht, welches auf Trockenestrichplatten basiert und gerademal 25kg/m² Systemgewicht erzeugt. Zzgl. Dämmung u. Fliesen dürfte ich ja somit im Rahmen der 60kg/m² (lt. Berechnung) bleiben oder nur marginal davon abweichen.
...es ist übrigens auch noch eine Deckenplatte mit 8 cm Dicke berechnet...
Was genau bedeutet das? Ich weiss dass die Betondecken 10 cm dick sind - wo kommen die 8 cm her?


Guten Abend Peter,

du hast vieles was für mich unverständlich war, verständlich gemacht - aller besten Dank dafür!

Ja, das Gebäude wurde, soweit mir die Historie bekannt ist, fast durchgängig auf allen drei Etagen bewohnt.
Rissbildung jeglicher Art sind nirgends zu sehen, könnten aber natürlich auch nachträglich verputzt worden sein, wovon ich und auch der Architekt der vor Ort war, nicht ausging.

Ich denke der finanzielle Aufwand zur Aufbringung einer Aufbetonschicht wird nicht ohne sein. Bei einer Suche im Netz stößt man auf dieses Verfahren in erster Linie im Rahmen von Brückensanierungen..

Ich denke im Prinzip bin ich mir jetzt in meiner Entscheidung sicher, keinen Estrich aufzubringen, aufgrund der zu hohen Dauerbelastung für die dünnen Betondecken.

Ich wähne mich mit dem gewählten System für die FB-Heizung mal auf der sicheren Seite, da dieses wohl laut Hersteller auch in Häusern aus dem 19. Jahrhundert mit Holzdecken Verwendung findet.

Wenn das inkl. Fliesen, Möbel u. Verkehrslast für die 10cm Stahlbetondecken auch zu viel sein sollte, dann werde ich, wenn Gott es so will, mit dem Haus zusammen "untergehen" ;)

Danke nochmal für alle Infos !
Letzte Änderung: 17 Nov 2012 18:22 von Klaus303.
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