Vom Altbau zum Passivhaus -

Geschrieben von Administrator am . Veröffentlicht in Aktuelle Pressemeldungen

Ob Heizöl, Strom oder Gas: Seit 1990 haben sich die Energiekosten verdreifacht. In fünf Jahren, so prognostizieren Experten, werden sie im Vergleich zu 2004 noch einmal doppelt so hoch sein. Ein Ende der Preissteigerung ist angesichts des weltweit rasant wachsenden Energieverbrauchs nicht abzusehen. Doch was können Eigentümer von Altbauten dagegen tun?

Im Rahmen der "RENEXPO®2004", die vom 21.bis 24. Oktober in der Messe Augsburg stattfand, verdeutlichte Dipl.-Ing. Andreas Naumann wie sich Altbauten effektiv zum Passivhaus wandeln lassen. Über 30 Ingenieure, Architekten und Handwerker verfolgten seinen Vortrag "Passivhaus im Bestand - Informationen zu Planung und Ausführung".

Im Altbaubereich liegt eine Menge Einsparpotenzial: Benötigen unsanierte Gebäude im Schnitt noch bis zu 220 kWh/(m²a) Heizenergie, darf z.B. ein Niedrigenergiehaus, dass seit 2002 durch die Energieeinsparverordnung gesetzlich vorgeschrieben wird, nur noch max. 70 kWh/(m²a) verbrauchen. Ein Passivhaus kommt oftmals mit weniger als 15 kWh/(m²a), oder umgerechnet jährlich 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche aus. Gegenüber dem klassischen Altbau beeindrucken Passivhäuser außerdem mit einem viel höheren Wohnkomfort. Die zwei Grundprinzipien "Wärmeverluste vermeiden" und "freie Wärmegewinne optimieren" funktionieren dabei selbst im Altbau, allerdings nur mit dem richtigen Konzept. "Allein der Austausch alter Heizkörper und das Einpacken mit einer Wärmedämmung reichen bei weitem nicht aus", erklärte Naumann. Auch der Einbau einer Solaranlage sei kein Allheilmittel.

Mit seinem Leipziger Ingenieurbüro "Naumann und Stahr" beschäftigt sich der Bauingenieur bereits seit 1990 mit dem Thema energieeffizientes Bauen. 1996 begründete Naumann die unter der Leitung von Dr. Feist (Passivhausinstitut Darmstadt) stehende Arbeitsgruppe "Entwicklung von kostengünstigen Passivhaussystemen" mit. Aus dieser Entwicklungsarbeit entstand u. a. das Holzbausystem Naumann und Stahr, das sich nicht nur für den Neubau, sondern auch für Sanierungen und Aufstockungen eignet. In der Zwischenzeit entwickelten die Sachsen u. a. auch ein passivhaustaugliches Kastenfenster mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten UW von 0,57 W/(m²K) sowie ein ausgeklügeltes Solarwandsystem. In einer Reihe von Sanierungsvorhaben trotzten die Leipziger Ingenieure mit ihren unkonventionellen Methoden nicht nur alten Gebäuden den Passivhausstandard ab, sondern verblüffen damit gleichzeitig auch immer wieder die Fachwelt.

Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichte Naumann den Weg von der "Energieschleuder" Altbau hin zu Ressourcen schonenden Passivhäusern. Bereits 1993 leitete das Ingenieurbüro den Umbau einer Mehrfamilienhausanlage aus den 30er Jahren in Leipzig. Damals steckte das Passivhaus noch in den Kinderschuhen. Neben einem ausgeklügelten Dämmsystem, dem Einbau von Kastenfenstern sowie der Herstellung absoluter Luftdichtheit in allen Gebäuden sank der Energieverbrauch drastisch. "Die Gebäude existieren nun seit über 12 Jahren im auf Niedrigenergie getrimmten Zustand. Bauschäden gibt es nicht, sogar ohne Lüftungsanlage", erläuterte Naumann. Dem Stirnrunzeln der Teilnehmer begegnete der Energieexperte mit der passenden Erklärung: "Wir haben kein Styropor als Wärmedämmung eingesetzt, sondern 12 cm Steinfaserdämmung. Durch diese diffusionsoffene Bauweise ist die Schimmelbildung im Gebäude so gut wie ausgeschlossen. Mit Styropor bekommen Sie nur Probleme hinsichtlich Brandschutz, Schallschutz und Schimmelbildung, denn das Material eignet sich als Wärmedämmung nur bedingt." Für die Planung des Wärmeschutzes empfiehlt Naumann zudem immer eine wärmetechnische Simulation aller Gebäudeteile.

In seiner täglichen Arbeit beschäftigt sich der Leipziger nicht nur mit den technischen Details eines Umbaus sondern auch mit den bürokratischen Hemmnissen. Da die sächsischen Ingenieure oftmals im denkmalgeschützten Bestand sanieren, stehen Diskussionen mit den Behörden auf der Tagesordnung. "Mit unserem Slogan ,Nur was sich verändert hat Bestand' und den dazu passenden technischen Lösungen haben wir schon so mancher Denkmalschutzbehörde den Wind aus den Segeln genommen", erklärte Naumann. Am Beispiel der Sanierung eines Leipziger Mehrfamilienhauses aus der Gründerzeit auf Passivhausstandard erläuterte der Energieexperte die technischen Umbaulösungen. Ob eine durchgängige Innendämmung aus Zellulose und der damit verbundenen Entkoppelung der Innenwände, voll ausgeflockten Zwischenräumen an den Deckenbalkenköpfen, dem Einbau von Kastenfenstern, der Installation einer solar betriebenen Lüftungsanlage oder eines Erdwärmetauschers, Naumann verblüffte die Teilnehmer mit den Möglichkeiten einer solchen Sanierung. Die Kosten für das derzeit laufende Projekt halten sich in Grenzen. Mit lediglich 300 000 Euro rangiert der Umbau des 4-Geschossers preislich knapp über dem eines neuen Passivhauses.

Der Vortrag von Andreas Naumann zeigte, dass das Erreichen des Passivhausstandards nicht zwangsläufig mit einem Neubau verbunden sein muss. Davon werden zukünftig nicht nur die Umwelt und die Bauwirtschaft profitieren: Mit der Umwandlung von Altbauten zum Passivhaus können Bauherren auch einen wichtigen Beitrag dafür leisten, das nicht immer mehr "grüne Wiese" vor den Toren der Städte verschwindet.

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